8.11.

8.11. Zweiter Seminartag

 

Auch heute war es uns wieder vergönnt, nach einem wunderbaren Frühstück (Bohnen mit Knoblauch und Fisch J ) zu Fuß zur Aula Kantor Sinode der GMIM zu LAUFEN! Dabei entdeckten wir den Hund, der uns allmorgendlich mit seinem Gekläffe an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte. Reuevoll blickte er uns schweigend in die Augen…und wir vergaben ihm …!

 

Pünktlich kurz vor neun betraten wir voller Erwartung den Konferenzsaal im zweiten Stock. Die Zahl der Anwesenden war übersichtlich. (Hätten wir ausschlafen sollen?) Da sich der Beginn eher „fließend“ gestaltete, konnten letzte Absprachen getroffen werden. Zudem war genügend Zeit, sich mit Gruppen von Pfarrer*innen ablichten zu lassen. Dann eröffnete der Ökumenereferent der GMIM, Pandeta Hein Arina,, der gestern schon mit uns betete, mit einer Bibelarbeit zu Johannes 8,30-36 die Veranstaltung. Er hat herausgearbeitet, dass nur der Glaube aus Menschen wahre Jünger*innen mache und dass wir nur in Christus die Wahrheit fänden, die uns die echte Freiheit schenke.

 

Erster Themenblock: Church and Public Relations in a Digitalised World.

 

Den ersten Vortrag hielt Pendeta Annette Bassler. Trotz ihres Widerspruchs bat Pendeta Tony, der das Seminar bis zum Beginn der Feministischen Theologie (3. Themenblock) leitete,  nicht Mona (Bild 2), sondern Joachim Schuh aufs Podium.  Annette berichtete anhand einer PPP anschaulich und lebendig von ihrer alltäglichen Arbeit als Beauftragte im öffentlich- rechtlichen Rundfunk. Dabei erläuterte sie das System „öffentlich- rechtlich“ und die Aufgabe und Position der Kirchen darin. Ein besonderer Fokus lag für mich darin, dass die Arbeit auf der Grundlage der Analyse der Erwartungen und Bedürfnisse der Zielgruppen aufbaute und dass für die Professionalisierung der Autor*innen von Rundfunkandachten die Kompetenz der Journalist*innen genützt würden.  Mich freute es zu hören, dass die Menschen am Radio ein großes Bedürfnis nach Stärkung durch diese vielfältigen Beiträge haben.

 

Den Vortrag zum gleichen Thema hielt Pendetta  Janny Ch. Rende M.Th. Sein Fokus lag auf dem Thema „Kirche und Gesellschaft“ in einer digitalisierten Welt. Für ihn ist die Richtlinie der Auftrag der Kirche, der durch Kirchengesetze geregelt sei. Wichtig sei es auch den Mitgliedern der Synode, darauf zu reagieren. Deshalb hat auch die GMIM eine Website, einen Blog und sei in den sozialen Medien präsent. Positiv an dieser Entwicklung, findet er, sei, dass dadurch die Interaktion und die geschäftlichen Beziehungen erleichtert seien. Negativ wurde dagegen von ihm bewertet, dass dadurch ein „Einbruch in die Moral der Menschen“ erfolgt sei. So sieht er eine Verschiebung der kulturellen Werte und eine „Absenkung der sozialen Kompetenz“. Das größte Problem jedoch sieht er in einer rasant um sich greifenden Individualisierung.

Geregelt wird der Auftritt in den Netzwerken der GMIM durch die SIT: hier werden die Personalakten eingestellt und die aktuelle Mitgliederzahl kann aktuell eingesehen werden, was alles nur dem Lobe Gottes diene.

 

Aussprache: Die Fragen an Annette waren mit großem Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer solchen Radioarbeit der Kirchen verbunden, da die Kirche sich nicht ausschließlich an die Evangelischen Menschen der Gemeinden in der EKHN wende. Und es wurde gefragt, ob diese Kurzpredigten zu einem Eintritt in die Kirchen führen würde.  Annette antwortete darauf mit einer Klarstellung bezüglich der Position der Öffentlich- Rechtlichen Rundfunks, der unabhängig von Staat und Kirche ein Interesse daran hatbe, dass die Menschen in ihrer Lebenssituation Orientierung, Trost und Stärkung bekämen. Befragungen hätten ergeben, dass viele Menschen unmittelbar erreicht würden. Die Frage danach, ob die Arbeit erfolgreich sei, beantwortete sie mit einer anderen Definition von Erfolg: für ihre Arbeit sei primäres Ziel, für alle Menschen in ihrer Lebenssituation hilfreich zu sein. Es ginge primär nicht darum, Menschen zum Eintritt in die Kirche zu bewegen, sondern ihnen aufzuzeigen, dass Kirche für sie ein Ort der Hilfe sein könne. Der Kollege aus der GMIM antwortete auf die Frage, was die Amtskirche gegen die negativen Einflüsse der Social Media, speziell gegen die Entwicklung hin zur Individualisierung, täte, dass die GMIM dies nicht grundsätzlich verändern könne, aber aufpasse und alles tun würde, um dies nicht zu verstärken. Für die GMIM sei es wichtig, die Arbeit in diesem Bereich weiter auszubauen und dafür große finanzielle Ressourcen einzusetzen.

 

Nächster Themenblock: Mission of the Church in Civil Society

 

Den ersten Vortrag hielt Pendeta Dr. Thomas Posern. Zunächst definiert er den Begriff „Zivilgesellschaft“, der für ihn eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie sei. Zu erreichen sei dies nur, wenn alle Freiheitsrechte gewahrt würden. In Deutschland bestünde schon lange eine Trennung zwischen Kirche und Staat, aber es gäbe Kooperationen mit vielen Akteur*innen  in der säkularen Welt. Der konziliare Prozess der Kirchen zur „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ sähe sich aktuell in der Gemeinschaft mit nichtkirchlichen Organisationen, die dieselben ethischen Ziele vertreten. Die missionarische Aufgabe der Kirchen bestünde für ihn darin, diese Kooperationen zu stärken. Wir „sind auf dem Weg mit Gott, uns für die Schöpfung und den Frieden auf der ganzen Welt einzusetzen. Wir leben darin in dem Vertrauen, dass Gott uns auf diesem Weg hilft.“ Nicht übersehen werden dürfe, dass sich auch viele Menschen als Christinnen sehen würden, auch wenn sie nicht Mitglied einer der verfassten christlichen Kirchen seien. Als Beispiel des zivilgesellschaftlichen Engagements der Kirchen nannte er den bis heute ungebrochenen Einsatz der Kirchen für die Flüchtlinge aus aller Welt, zusammen mit anderen Organisationen. Er wies darauf hin, dass bis hinunter in kleinste Gemeinden dieses Engagement gelebt würde. (Bezug zu der Bibelarbeit und dem ersten Vortrag gestern!) Wichtig sei es außerdem die Tatsache, dass die Gesellschaft durch diese gemeinsame Arbeiten immer auch in die Kirchen schaue und umgekehrt. Gelebter Glaube wird so im Engagement der Menschen sichtbar. Und die Menschen seien in diesem Ansatz das Bindungsglied zwischen Kirche und Gesellschaft. 

 

Den Vortrag zum gleichen Vortrag hielt Pendetta Dr. Arthur R.Rumengan, M.teol. M. Pd.K Kirche in einer globalisierte Gesellschaft stünde auf zwei Grundpfeilern: Matthäus 28- Missionsbefehl und    Lukas 4, 18. Er sieht die Aufklärung als Geburtsstunde der Globalisierung der modernen Gesellschaft. Kirche sei nur missionarische Kirche, wenn sie nicht zuerst auf Kirchenstrukturen schaue oder sich auf die Christianisierung fokussiere. Sie müsse vielmehr Gerechtigkeit und Frieden für alle im Blick habe. Dabei bezieht er sich auf den „missio dei“, ein Begriff von Karl Barth aus dem Jahr 1932.  „Missionarische Kirche bezeugt und dient mit reinem Herzen in Gemeinschaft mit Gott und allen Menschen, weil alle Menschen Geschenk Gotte sind.“  Deshalb müsse die verfasste Kirche mit allen kooperieren. Er fordert den offenen Dialog mit anderen Religionen und meint, dass alles Engagement der GMIM mit dem Begriff der Diakonie gefüllt werden müsse. Es brauche den Dialog der offene Räume, in denen der Dialog geschützt geführt werden könne.

 

Aussprache: Zwei Anfragen waren eigentlich Statements: das Engagement der Kirchen in Europa für Geflüchtete sei im Prinzip grundfalsch, weil die Kirchen dort immer kleiner würden und sie sich stattdessen um diese Problematik zu kümmern hätten. Antwort von Thomas: Gott sei immer der Akteur, nicht wir. Wir hätten immer die Pflicht nach unseren Nächsten zu schauen und zu helfen.   Ein Teilnehmender fand, dass die GMIM von unserer Arbeit lernen könne. Auch im Radio. Schließlich könne man Radio Sion nicht mal in Manado hören.

 

Nächster Themenblog:  Feminist Theologiy als Liberation Theology (Beide Vorträge mussten aus Zeitmangel verkürzt gehalten werden. Jetzt saß Mona mit auf dem Podium. Den ersten Vortrag hielt Pendeta Bettina Bender. Zunächst führte sie ein in die Anfänge und Etablierung der Feministischen Theologie seit den späten 1960er Jahren. Besonders wichtig war ihr, auf die Parallelität zwischen Feministischer Theologie und der Befreiungstheologie hinzuweisen.  In beiden theologischen Richtungen ginge es um unterdrückte Menschen, die nicht gehört worden seien. Und die sich in der etablierten Theologie und deren entsprechenden Gottesbildern nicht wiederfinden könnten. Deshalb hätten sie eigene Gottesbilder und theologische Reflexionen aus der weiblichen Perspektive entwickeln müssen.  Anhand einer beispielhaften Predigt wurde uns die Tiefe und Bedeutung von feministischer Sprache zu Gehör gebraucht. Die Predigt lud uns ein, auch eigene Gottesbilder zu finden. Anschließend wies sie auf die „Bibel in gerechter Sprache“ hin, die für sie in ihrer Praxis auch in der Schule an immer größerer Bedeutung gewinnen würde.  Kritisch merkte sie an dieser  Stelle an, dass von unserer Landeskirche weiterhin der Gebrauch der Lutherbibel im Gottesdienst empfohlen sei. Abschließend hörten wir noch den wichtigen Satz, dass es die Frauen waren, denen der Auferstandene zuerst begegnete. 

 

Als letzten Vortrag hörten wir Pendetta Helen Masambe, M. th. Über  weite Teile schloss sie sich inhaltlich den Ausführungen ihrer Vorrednerin an.  Basis für ihren Vortrag war die Bibelarbeit zu Lukas 7, 36-50. Ihre Hauptthese besagte, dass die „Sünderin“ des Textes aus eigener Initiative heraus den privaten Raum verlassen habe und in den öffentlichen Raum getreten sei. Jesus habe dieses Vorgehen akzeptiert, was dadurch deutlich würde, dass er ihr ihre Sünden vergab und sie segnete. Diesem Beispiel sollten die weiblichen Pendetas und Studierende folgen: „dare to step out of your comfort zone“ !  Die Frauen müssten lernen, umzudenken und Vertrauen in sich selbst zu haben. Beeindruckend war die Energie, mit der die Referentin die Inhalte vortrug und weite Teile, auch der  indonesischen Zuhörer*innen, begeisterte.

 

Aussprache: Sabine und Annette fanden viele bestärkende Worte und gaben den Rat Netzwerke zu bilden, da eine Frau wenig zu verändern könne, viele aber sehr wohl! Insgesamt muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass unsere Referent*innen (gestern und heute) eine tolle, wunderbare, kompetente und beeindruckende „Arbeit“ geleifert haben. Wir waren begeistert!!! Die Schlussworte wurden dann von Dr. Arina und Propst Schütz gesprochen!

 

Dann trafen wir uns zum späten Mittagessen im Vorraum!

 

Am Abend folgten wir noch der freundlichen Einladung einer Familie in ihren Kollom. Dort wurden wir freundlich aufgenommen und feierten zusammen mit ihnen den Mittwoch-Abend-Gottesdienst, der von vielen Gesängen umrahmt wurde. Auch an dieser Stelle eine Anmerkung:

Danke Joachim, dass Du ALLES für uns, quasi unermüdlich, für uns übersetzt!!! Nach dem wunderbaren Essen, wurden KARAOKE-Darbietungen dargeboten…die auf die eine oder andere Art sehr unterhaltsam waren! Leider konnten wieder einige von uns –krankheitsbedingt- nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen.

 

Hoffentlich geht es für uns ALLE morgen in Bunaken weiter!

 

Annette Basler und Dagmar Unkelbach