der 6. 11.:

Montag 6.11.

Auf dem Weg zur Kirchenverwaltung im Kantor Sinode hörten wir deutsche Stimmen im Autoradio. Ein Teil unserer Gruppe war bereits um 8 Uhr zur Radiostation Zion gefahren. Wir hörten, wie Annette Bassler über die Arbeit unserer Kirchen in den öffentlichen Rundfunkanstalten berichtete. Als wir im Verwaltungsgebäude eintrafen – ein riesiges, auf Hochglanz poliertes Foyer – wurde im ersten Stock eine Andacht gefeiert. Die Verwaltung ist in  Großraumbüros organisiert, hier werden auch Krankenversicherung und Altersversorgung der kirchlichen Mitarbeiter verwaltet und die Versetzung der Pfarrleute nach jeweils vier Jahren gesteuert. Gegenüber war der Talarladen einen Besuch wert. Im bestens ausgestatteten Sitzungssaal des Church Boards machten wir uns eine Stunde lang breit, um Telefonkarten auszutauschen und das W-LAN zu nutzen. Schwere Holzmöbel, herausgehobene Plätze für President und Vice President irgendwie für mich Ausdruck einer strengen Hierarchie, ich musste an König Arthur denken.Die Leitung wird alle fünf Jahre neu gewählt.


 Ein Teil unserer Gruppe besuchte im Anschluss das RSU Betesda. In der Aula unterm Dach empfing uns die junge Vize-Verwaltungsdirektorin mit einem Team. Der Regen prasselte so laut aufs Dach, dass wir unsere Stühle direkt vor das Podium schoben. Das Krankenhaus wurde 1950 mit der Hilfe ausländischer Missionswerke gegründet und hat 225 Betten. Die Belegungsrate liegt bei etwa 65%. Seit einigen Jahren gibt es in Indonesien eine allg. staatliche Krankenversicherung, die die Kosten für 70% der Patienten abdeckt und für das Krankenhaus sichere Einnahmen bedeutet.. Das Personal ist überwiegend christlich, wir sahen später beim Rundgang eine große Zahl von Schwestern und auch einige Pfleger und eine große Gruppe von PflegeschülerInnen. Patienten aller Religionen werden in diesem öffentlichen Krankenhaus behandelt.
Es gibt keine Sterbe- oder Abschiedszimmer, aber zwei Chaplains und Sozialarbeiter, die sich um Patienten, ihre Familien (die in die Betreuung ihrer Patienten stark involviert sind) und personal kümmern. Die Chaplains beraten auch in ethischen Fragen wie Abtreibungen, die aber nuräußerst selten durchgeführt werden. Schmerztherapie scheint unbekannt, wie auch Selbsthilfegruppen nach Krebs, Brustkrebsscreening wird nicht von der Kasse finanziert und ist nahezu unbekannt.
Die Klinik arbeitet unter dem Board der Kirche, die erwirtschafteten Überschüsse investiert sie wohl in eigene Missionsaufgaben, bei dem vierstöckigen Neubau, der gerade entsteht ist sie finanziell nicht beteiligt. Zwei Krankenschwestern werden uns vorgestellt, die mit Stipendien der EKHN auch in Deutschland ausgebildet wurden. Das Interesse an weiteren solcher Scholarships wird ebenso geäußert wie die Bereitschaft, deutsches Personal für eine Internship aufzunehmen.


Nach dem Regen über den Markt von Tomohon: ein riesiges Gelände für diesen täglichen Markt. Wir laufen vorbei an getrockneten und frischen Fischen, darunter ganz winzige, Schalotten in großen Bündeln, geschälte Knoblauchzehen fallen mir auf, frische, unbekannte Kräuter, totes und lebendiges Geflügel. Wir sind spät, die besten Fische und die meisten Ratten sind bereits ausverkauft, von einer riesigen Python hängt noch der größte Teil von einer Stange herunter, man kauft sie in Scheiben. Scheinbar lachende Schweineköpfe in Blut, ein großer, schwarz geflämmte Hund liegt auf dem Tisch, dahinter der stolze Verkäufer.
Nach einer Fahrt durch fruchtbare Hügellandschaft im Regen nach Rurukan. Dort war in einer großen Hütte mit traumhafter Aussicht ein riesiges Minahasa-Büfett aufgebaut, man wartete schon lange auf uns – der monatlich hier tagende Pfarrkonvent mit etlichen Gemeindehelferinnen und – helfern. Wieder prasselte der Regen laut, nach dem Essen begrüßte uns die Dekanin offiziell, stellte ihren Konvent vor, viele sehr qualifizierte Kolleginnen, und erwähnte, dass sie mit ihm schon nach Singapur gereist sei, demnächst nach China – und gerne auch einmal in die EKHN. Auf unsere Frage, wann es die erste Kirchenpräsidentin der GMIM geben würde – fröhliche Gesichter und die Bemerkung der Kolleginnen, dass ja viele von ihnen entweder zu jung oder zu alt dafür seien. Rev. Tonny meinte, das würde ja immer demokratisch durch die Assembly entschieden. Klaus-Volker Schütz erläuterte kurz die paritätische Leitungsstruktur der EKHN (KP und stv KPin – oder KPin und stv KP), dankte für die freundliche Aufnahme und die Verbundenheit der beiden Kirchen

 

Rainer Böhm