4. November 2017 Konzept trifft Spontaneität

  

Inzwischen sind wir alle irgendwo in Tomohon untergekommen und haben eine gute Nacht in unseren Quartieren verbracht. Wir Mädels (Annette, Dagmar, Sabine, Veronika und Tina) haben das „Wale Oekumene“ bezogen, gleich hinter der Kirchenverwaltung. Das ist ein Gästehaus, finanziert durch die EKHN. Nach einem üppigen Frühstück mit Fisch, Reis, Gemüse, Spiegelei und Bananen (von Inya liebevoll bereitet) gab Reverend Tonny hier eine erste Einführung in das ungefähre Programm der kommenden beiden Tage.

 

Im leichtem Regen ging es dann nach Manado in die ältesten Kirche (Gemaat Sentrum, 340 Jahre alt) von Indonesien.

 

Dort gab es neben einem noch üppigeren Mittagessen zwei Vorträge:

 

Der erste Vortrag von Pfarrerin Krise Gosal (Vizepräsidentin der Reformierten Kirche von Indonesien) informierte über die Situation der Kirche, die nicht nur durch die europäische, sondern auch durch amerikanische und koreanische Theologie geprägt sei. Krise Gosal berichtete über die reformierte Vielfalt der Kirche in einem Land, das von 6 großen und vielen weiteren kleinen Religionen geprägt sei und neben Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Fluten auch zahlreiche soziale Konflikte, Korruption und viele weitere Probleme zu bieten habe. Armut, Ungerechtigkeit, Radikalismus und Umweltzerstörung seien die wesentlichen Unterthemen einer pluralen Gesellschaft mit hunderten von Sprachen und Inseln. Die Kirche versuche auf diese große Vielfalt von Herausforderungen vor allem in Bezug auf das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ mit einer „Spirituality of Simplicity“ zu antworten. Dabei ginge es um ein Programm gegen Ausbeutung, für Selbstkontrolle, dem Wunsch zu teilen, Kampf gegen strukturelle Ungerechtigkeit und die Ausrichtung unseres Blickes auf die Tatsache, dass wir eigentlich genug für alle hätten. Dabei komme jeder Region ein anderes Aufgabenfeld zu und ein besonderer Fokus liege auf der Arbeit mit Jugendlichen/jungen Erwachsenen, Frauen/Kinder und der Öffentlichkeitsarbeit. Weiterer Entwicklungsbedarf läge im Bereich der Bekämpfung der Korruption, der Überwindung von sozialer Ungerechtigkeit, den Themen: Anschläge auf Kirchen, Flüchtlinge und Probleme mit den staatlichen Gewalten. Die Kirche reagiere auf diese Themen u.a. mit Besuchen/Hirtenbriefen, interreligiösen Dialog, Ökumene, der Formulierung von Fünf-Jahres-Plänen und - uns auch nicht fremd - der Einrichtung von Arbeitskreisen. Speziell sei derzeit die Beziehung zum Staat. So gebe es wohl die Möglichkeit, staatlichen Gremien die Position der Kirche zu erklären, aber Schwierigkeiten bereite u.a. das Blasphemie-Gesetz.

 

Jeirry Samampow (zuständig für Öffentlichkeitsarbeit) referierte zum Thema „Die Kirche der Zukunft“ über den problematischen Umgang mit den relativ wenigen radikalen Muslimen. Seit 15-20 Jahren gäbe es radikale muslimische Gruppen, die auch großen Einfluss in Armee, Schule und eben in muslimischen Gemeinden hätten.  Sie hätten Kontakt zum IS und würden finanziert und ideologisiert durch Bewegungen im Mittleren Osten. Die indonesische Regierung hätte derartige Gruppen wohl verboten, könne aber den Einfluss nur schwer zurückdrängen. Bedenklich sei auch, dass die Radikalisierung von wenigen Muslimen auch z.T. zu einer Radikalisierung christlicher Gemeinden führe und zu einer allgemeinen Haltung des Exklusivismus. Ursprünglich sei dies in Indonesien nicht so gewesen. Die Indonesische Kultur sei schon immer eine plurale gewesen, das Zusammenleben friedlich und Religionsfreiheit eine Selbstverständlichkeit. Die Hasssprache (besonders in den sozialen Medien), die Erziehung zum Radikalismus und die Tatsache, dass schon harmlose Äußerungen und leiseste Kritik zur Verhaftung von Christen führe, hätten aber in weiten Kreisen zu einer Kritik am Islam geführt. Erschwerend hinzu komme, dass Indonesien eine noch junge Demokratie mit relativ schwachen Gesetzen zum Schutz von Minoritäten sei. Zunächst habe man das Problem auch gar nicht wahrgenommen. Erst langsam hätten neue Gesetze gegriffen. Aber in einem Land mit 80% Muslimen, setzten sich in der Politik zusehends Kandidaten durch, die nicht aufgrund ihrer Kompetenz, sondern aufgrund ihres muslimischen Glaubens in ein Amt gewählt würden. In dieser schwierigen Situation suche die Reformierte Kirche von Indonesien, mit gemäßigteren muslimischen Gruppen (die auch unter der einseitigen Radikalisierung litten) und anderen Minoritäten den Kontakt. Darüberhinaus bemühe man sich darum, dass die Regierung strenger gegen radikalisierte Muslime vorginge und man setze sich dafür ein, dass fremde Ideologien weniger in Indonesien Einzug halten.

 

 Gegen 15.00 brachen wir auf zu einer Sightseeing-Tour in einen chinesischen Tempel (Klenteng Ban Hin Kiong Manado) der wohl  vor Jahren vollkommen abgebrannt war, jetzt aber in neuem Glanz erstrahlt. 

 

Danach ging es in eine gigantische Shoppingmall mit einem sagenhaften „Wolkenhimmel“. Kaffeetrinken und Mailen. Glücklich mit unseren neu erworbenen Schätzen ging es um 18.30 Uhr in ein „lecker“ Fischrestaurant. Hier waren wir von der Indonesischen Gemeinde freundlicherweise eingeladen.

 

Gegen 21.00Uhr ging es dann zurück in die grünen Hügel von  Thomoron. 

 

In „Wale Oekumene“ ließen wir Mädels den Abend noch fröhlich ausklingen.  

 

Tina Neumann